Crowdfunding hat noch mehr drauf

Das Potential von Crowdfunding wird hierzulande immer noch unterschätzt. Dies zeigt die kürzlich in den USA zu Ende gegangene Finanzierungsrunde für den geplanten Weltraum-Simulator Star Citizen des legendären Spieleentwicklers Chris Roberts.

Sage und schreibe beinahe 8,5 Millionen US-Dollar hat der Aufruf der Cloud Imperium Games Corporation, der Entwicklungsfirma um Chris Roberts, insgesamt eingebracht. Die Vorfreude auf ein neues Produkt des Entwicklers der Spieleserie Wing Commander hat über einhundert tausend Fans dazu bewegt, auf der Homepage des Spieleentwicklers http://www.robertsspaceindustries.com sowie ergänzend über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter die Summe aufzubringen.

Die eingeworbene Summe ist für hiesige Verhältnisse gigantisch, ein neuer Rekord wurde bei der Aktion jedoch nicht einmal aufgestellt. Schon im Sommer hatten die Hersteller der individualisierten Armbanduhr Pebble mehr als zehn Millionen US-Dollar zusammen bekommen, einzelne weitere Kampagnen waren ähnlich erfolgreich.

Sowohl bei Star Citizen, als auch bei Pebble handelte es sich bei den überwiesenen Beiträgen weder um Spenden-, noch um klassische gewinnorientierte Investitionen, sondern um vorgezogene Zahlungen für Vorverkäufe. Das Prinzip dahinter: Die Kunden bezahlen schon jetzt den Kaufpreis, den sie ihrer Ansicht nach ohnehin später für das fertige Produkt bezahlen würden und tragen damit dazu bei, dass das Produkt auch tatsächlich produziert wird. Verlieren können sie dabei lediglich die wegen der geringen Beträge völlig zu vernachlässigenden Zinserträge, da sie ihre Zahlungen zurückerhalten, wenn die Finanzierung nicht zustande kommt.

In Deutschland sind Summen wie bei Star Citizen und Pebble bisher noch völlig undenkbar. Im Crowdinvesting-Bereich bietet Seedmatch erst seit einigen Monaten ein Funding-Limit an, das über 100.000 Euro hinausgeht. Zur Minimierung von Risiken bleibt das maximale Funding-Limit in der ersten Finanzierungsrunde bei Seedmatch allerdings auf 250.000 Euro beschränkt. Bei Plattformen, denen kein Investment-Gedanke zugrunde liegt, sind ebenfalls weitaus geringere Beträge üblich. So beträgt die höchste auf Startnext eingeworbene Summe etwas mehr als 100.000 Euro.

Aus den Kampagnen-Erfolgen in den USA lassen sich auch Lehren für den deutschen Wirtschaftsraum ziehen: (1) Das wirtschaftliche Potential für Crowdfunding-Projekte ist grundsätzlich unbeschränkt. (2) Bei geeigneten Produkten reichen Vorverkäufe als Anreizmodell aus, um erhebliche Summen einzuwerben. (3) Crowdfunding-Kampagnen müssen nicht notwendig auf bestehenden Plattformen durchgeführt werden, unternehmensinterne Kampagnen sind attraktiv.

Als Beispiel dafür, dass in Deutschland ähnliches Innovationspotential und ähnliche Mechanismen herrschen wie in den USA, lässt sich die Kampagne für den Stromberg-Kinofilm anführen: hier wurden durch eine unternehmensinterne Kampagne und ohne Investitionsanreize mehr als eine Millionen Euro eingeworben.